Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht ...

 

… und manchmal liegen einfach umzusetzende Lösungen schon auf der Hand.

 

Wissenschaftler haben aufgezeigt, dass durch die Aufforstung von Bäumen, der Klimawandel verlangsamt, beziehungsweise, wenn die zusätzliche Fläche Wald nur ausreichend groß ist, sogar gestoppt werden könnte. Warum also nicht den Aufwand, der mit der Realisierung dieser sinnvollen, zusätzlichen Waldfläche verbunden wäre, gerecht auf möglichst viele verteilen? Ich stelle mir dabei ein Prinzip vor, ähnlich wie auch bei der Errichtung der benötigten, zusätzlichen Ladeinfrastruktur, um E-Autos attraktiver zu machen. Zur Förderung der Elektromobilität, könnte man neben steuerlichen Kaufanreizen, auch durch staatliche Regulierung den Ausbau der mangelhaften Ladeinfrastruktur beschleunigen. Um das Henne-Ei Problem (weil es zu wenige Ladesäulen gibt, kauft kaum jemand ein E-Auto. Und weil kaum E-Autos gekauft werden, werden nur wenige neue Ladesäulen installiert) zu lösen, könnten beispielsweise Städte und Kommunen verpflichtet werden, je nach Größe beziehungsweise Einwohnerzahl, eine definierte Anzahl an Ladeplätzen vorzuhalten. In Norwegen ist Ladeinfrastruktur kein Problem mehr. Nicht verwunderlich, dass dort der Anteil an neu zugelassen E-Autos signifikant gestiegen ist - ein nachahmenswertes Beispiel für sinnvolle staatliche Steuerung.

 

Analog dazu könnte man Länder und Gemeinden dazu verpflichten, eine zu ihrer Größe proportionale Fläche Wald aufzuforsten, um einen Teil des in der Luft enthaltenen CO2 zu binden. Selbst den privaten Häuslebauer könnte man in diese Rechnung mit einbeziehen. Ein Pflichtbaum in jedem Garten, tut niemandem weh, bringt aber in der Summe einen nicht unerheblichen Anteil zum Gesamtbedarf. Auch frage ich mich, warum bei unserem derzeitigen massiven Leidensdruck, die Bauordnung nicht pauschal für Neubaugebiete vorgibt, dass Neubauten eine entsprechend der Wohnfläche bemessene Fläche an installierter Photovoltaik oder Solarthermie haben müssen. Ähnlich wie es beispielsweise ja auch schon lange Vorschriften dahingehend gibt, die Häuslebauer verpflichten, eine Regenwasserzisterne zu setzen, wenn in dem Baugebiet ein Abwassertrennsystem existiert. Die Masse macht’s eben aus. So wäre der Aufwand auf viele verteilt und es könnte sehr schnell und effektiv eine enorme Fläche zusätzlicher Wald entstehen, bzw. der Energiebedarf von Privathaushalten deutlich gesenkt werden.

 

Die Non-Profit-Organisation und Google Alternative ECOSIA macht es uns allen mustergültig vor. Der Suchmaschinenbetreiber verwendet die durch Werbung generierten Einnahmen für die Aufforstung von Abermillionen Bäumen weltweit. Mit jedem neuen Suchbegriff, beteiligen sich die Nutzer so automatisch an den diversen Aufforstungsprojekten. Ein großer Gewinn für das Klima und gegen die drohende Erderwärmung.

 

Auch könnten wir beispielsweise unser persönliches Klimabudget aufbessern, indem wir uns freiwillig an Kompensationen beteiligen. Denkbar wäre, durch verschiedene Ausgleichsmöglichkeiten das individuelle Klimagaskonto außerordentlich aufzufüllen, indem man Verfahren anwendet, die der Atmosphäre CO2 entziehen oder durch die grüne Energie „erschlossen“ wird, ohne dass dabei CO2 entsteht. Etwa durch die Errichtung von privaten Anlagen zur Nutzung regenerativer Energien, wie beispielsweise die Einspeisung von selbst erzeugtem Solar- oder Windstrom, oder Ähnlichem.

 

Man könnte sich auch an Projekten beteiligen, die für die persönliche Umsetzung viel zu groß wären. Ein Beispiel von vielen ist die Power to Gas Technologie (P2G). Mittels dieser Technologie, könnte die Speicherproblematik von über dem Bedarf liegenden, regenerativ erzeugten, temporären Stromüberschüssen entschärft werden, solange die zum Transport des an den Küsten erzeugten Windstroms in die Ballungsgebiete im Süden benötigten Stromtrassen noch fehlen. Als „grünes“ Speichergas wird Methan oder Wasserstoff verwendet.

 

Auch mit einer Beteiligung an Konzepten zur Realisierung “negativer Emissionen” – also das Entziehen von CO2 aus der Atmosphäre, könnte man das persönliche Klimabudget aufbessern. Zu nennen wäre hier beispielsweise die sogenannte Carbon Capture and Storage Technologie (CCS), die sich derzeit in der Erprobungsphase befindet. Bei diesem Verfahren wird der Luft CO2 entzogen oder aber schon direkt beim Verbrennungsprozess in Kraftwerken mit fossilen Brennstoffen abgeschieden, um es geologisch zu speichern. Allerdings ist dieses Verfahren weit unwirtschaftlicher als der direkte Einsatz regenerativer Energiequellen, da es mit einem großen Wirkungsgradverlust einhergeht.

 

Vorrangiges Ziel all dieser Konzepte sollte es sein, klimafreundliches Verhalten zu belohnen! 

 

Für einen Supermarktbetreiber beispielsweise, würde es sich auf einmal als rentabel erweisen, wenn in die Produktion von Solarstrom auf dem eigenen Dach investiert würde, um damit die Energie- und Klimaversorgung des Marktes und ggf. auch die Ladesäulen für die Elektrofahrzeuge der Kunden zu versorgen. Da sich ja auch die Lagerhaltung und das Betreiben der Kühlkette im Klimapreis der angebotenen Produkte niederschlagen, würde diese Art der CO2-Reduktion den Klimapreis der angebotenen Artikel senken und somit das verfügbare Budget der Kunden schonen. Solche klimafreundlichen Maßnahmen, würden sich nicht zuletzt auch in den Umsatzzahlen des Supermarktes niederschlagen. Alle hätten dabei gewonnen. Die Kunden würden von niedrigeren ECO-Preisen der in einem solchen Betrieb angebotenen Produkte profitieren. Der Betreiber würde von stärkerem Zulauf und somit von einem höheren Umsatz profitieren. Und nicht zu vergessen, das Klima würde weniger mit schädlichem Klimagas belastet. Wenn das mal keine win-win-win Situation ist!

 

Das gleiche könnte für das Transportgewerbe gelten. Der Spediteur, der die Güter mit einer möglichst grünen Flotte transportiert, hätte gegenüber herkömmlichen Flottenbetreibern einen deutlich günstigeren ECO-Preis auszuweisen. Dadurch würde seine Dienstleistung, gegenüber der Konkurrenz, in puncto Klimagasemission abgewertet und in der Nachfrage aufgewertet. Auch die Luftfahrtindustrie könnte auf diesen Zug aufspringen und beispielsweise die Flotte mittels aus grünem Strom und Elektrolyse hergestelltem synthetischen Kerosin betreiben.

Das Klimagas Kompensationsmodell

Wenn durch geeignete Maßnahmen (z.B. durch technische oder ökologische Mittel) eine teilweise Absorption der Klimagase stattfindet, kann das Gesamtbudget an ECO entsprechend ausgeweitet, bzw. bei einer Schwächung der Ökosysteme, auch wieder reduziert werden. Großflächige Abholzungen bedeuten ein geringeres Klimagas Absorptionsvermögen. Deshalb führt eine Reduzierung der weltweiten Waldflächen zu einer quantitativen Abwertung der Ressourcenwährung. Es werden weniger ECO ausgegeben, um den konsumbedingten Klimagasausstoss zu reduzieren. Analog dazu würden z.B. Aufforstungsmaßnahmen eine quantitative Ausweitung des ECO bedingen. So wie mit m-max. zyklisch die Aufnahmekapazität der Ökosysteme bestimmt wird, wird auch regelmäßig eine globale Waldflächenbestimmung durchgeführt, um diese Kompensationskomponente einzuschätzen. Innerhalb der Mitgliedstaaten der ECO Währungsunion, bestünde eine Verpflichtung zur nachhaltigen Holzwirtschaft.

 

Eine weitere interessante Idee in die richtige Richtung realisierte bereits 2005 die Non-Profit-Organisation ATMOSFAIR. Ziel dieses Unternehmens ist es, Treibhausgasemissionen von zum Beispiel Flugreisen, Kreuzfahrten, Reisebusfahrten oder Veranstaltungen auszugleichen, indem im Gegenzug Klimaschutzprojekte in aller Welt durchgeführt werden, solange CO2-Vermeidung noch nicht in ausreichendem Maße möglich ist. Denn, 10 Prozent der Treibhausgase weltweit entfallen auf den Tourismus. Auf der Website von Atmosfair kann man berechnen lassen, welche Menge Kohlendioxid im Zusammenhang mit der Reise freigesetzt wird. Im Gegenzug kauft man Ausgleichszertifikate, mit Hilfe derer andernorts durch Klimaschutzprojekte die gleiche Menge CO2 gebunden wird. Ziel ist es, durch diese CO2-Kompensation, die eigenen Emissionen auszugleichen. Diese Projekte tragen neben dem Schutz des Klimas auch noch zur Armutsbekämpfung in wirtschaftlich schwachen Ländern bei. Eine sehr coole Idee. Was Sie noch wissen sollten, Umweltspenden sind steuerlich absetzbar!

 

Falls Sie jetzt sagen, das Konzept mit der komplementären Währung ECO sei viel zu aufwendig und es soll unbedingt über ein Steuermodell gelöst werden, dann biete ich Ihnen einen alternativen Ansatz an:

 

 

Der staatlich initiierte Treihausgas Kompensationsmechanismus

 

Die Emission von CO2 und anderen klimaschädlichen Gasen sollte bepreist und mittels Steuern eingezogen werden.

 

Die eingenommenen Steuergelder sollten hierbei allerdings nicht wieder über beispielsweise eine CO2-Dividende oder eine reduzierte Kfz-Steuer oder auch eine Erhöhung der Pendlerpauschale, an die Bürger zurückgeben werden, sondern zweckgebunden für Klimaschutzmaßnahmen, wie etwa Aufforstung von Wäldern, eine CO2-Speicherung im Boden oder etwa der Speicherung von aus regenerativen Energiequellen gewonnenem Strom verwendet werden. Die Summe der einzunehmenden Steuern sollte so bemessen sein, dass damit die entstandenen Umweltschäden 1:1 kompensiert werden können.