Big Bang oder Iteration?

 

Eine gute Idee zu haben, ist die eine Sache. Diese zu realisieren aber eine ungleich schwierigere, könnten Sie jetzt anmerken. Stimmt, sehe ich auch so. Bevor ich versuche zu beschreiben, wie ich mir die Umsetzung der Idee eines individuellen Klimakontos für Jedermann vorstelle, möchte ich Ihnen aber vorweg noch von einem Spruch erzählen, den ich kürzlich gelesen haben:

 

 „Für den Klimawandel gibt es zwei Gründe: Menschliche Aktivität und menschliche Inaktivität.“

 

Folglich ist die Frage nicht, ob wir etwas tun sollten, sondern vielmehr wie lange uns noch bleibt, um etwas zu verändern. Ich höre schon die kritischen Einwände, dass die Umsetzung dieser Konzepte viel zu aufwendig und somit viel zu teuer wäre. Eine Kleinigkeit wird dies sicher nicht. Klar ist aber auch, wenn uns das Thema Klima erst einmal auf die Füße gefallen ist, brauchen wir uns um das Thema Wirtschaft keinen Kopf mehr zu machen, denn dann regiert die Anarchie! 

  

Big Bang oder Iteration?

Nun gibt es zwei Möglichkeiten, wie wir ein solches komplementäres Währungssystem zur Abrechnung von persönlichem Klimagaskontingent einführen könnten. Mit einem Big Bang, zu einem bestimmten Stichtag, flächendeckend über alle Produkt- und Dienstleistungsgruppen, analog der damaligen Einführung des Euro. Oder besser mittels einer schrittweisen Zertifizierung, ähnlich dem Stufenplan beim Verbot der Glühlampen bzw. der FCKW.

 

 

Beispiel Big Bang:

 

Einführung des EURO

Vor nicht allzu langer Zeit hatten wir bereits einen ebenfalls gigantischen Big Bang zu bewältigen. Zum Stichtag 1. Januar 2002, wurde in 12 Ländern gleichzeitig die Gemeinschaftswährung EURO eingeführt (Stand 2020 ist der Euro in 19 Ländern offizielles Zahlungsmittel). Seit diesem Moment hatten 320 Millionen Menschen über Nacht das gleiche Geld im Portemonnaie. Auch alle laufenden Verträge mussten in einem juristischen Big Bang auf die neue Euro-Währung umgestellt werden - eine organisatorische Mammutaufgabe. Aber es funktionierte. Weil der Benefit einer stabilen gemeinsamen Währung, den enormen Aufwand lohnte. Nicht geringer ist die Herausforderung an die Jahrhundertaufgabe Klimarettung.

 

  

Beispiele Iteration:

 

Verbot von FCKW

Auch iterative multinationale Großprojekte wurden in der Vergangenheit bereits erfolgreich bewältigt. Denken Sie an die gelungene Umsetzung des Verbots von FCKW zur Jahrtausendwende. Zur Erinnerung: Bereits in jüngerer Vergangenheit führte die Emission eines menschgemachten Treibhausgases zu einer Klimakrise – dem Ozonloch. 1990 demonstrierte die Welt schon einmal bemerkenswerte Einigkeit. Die Politiker aller Staaten, reagierten in beispielhafter Geschlossenheit auf die menschgemachte Bedrohung des Klimas. Zum Schutz der Ozonschicht, wurde damals ein weltweites Verbot des Klimakillergases innerhalb von 10 Jahren in einer überwältigenden Allianz der Staatengemeinschaft vereinbart. In der Folge unterzeichneten alle 197 UN-Staaten das Abkommen. Und was noch viel wichtiger ist, es wurde auch umgesetzt! Seit dem Jahr 2000, verwendet die Industrie – bis auf geringe Mengen für Medikamente – keine FCKW Gase mehr.

 

 

Herstellungs- und Vertriebsverbot von Glühlampen

Ein weiteres Lichtzeichen für iterativen, einheitlichen Klimaschutz: 2008 beschloss die EU-Kommission ein stufenweises Herstellungs- und Vertriebsverbot von Leuchtmitteln, geringer Energieeffizienz, in den Mitgliedsstaaten. Denn unter Effizienzgesichtspunkten, schneidet die Glühlampe enorm schlecht ab. Ganze 92 Prozent der eingesetzten Energie, gehen bei diesem Leuchtmittel als Wärme verloren. Rüsten auch nur 60 Prozent der deutschen Haushalte auf energieeffiziente Leuchtmittel, wie LED- oder Energiesparlampen um, so würden jährlich etwa 4,5 Mio. Tonnen CO₂ eingespart, so die damalige Prognose. Das entspricht dem CO₂ Ausstoß der 1,8 Mio. in Berlin und Hamburg zugelassenen Autos auf Basis eines Mittelklasse-Wagens (bei einer Jahresleistung von 15.000 km).



Die Zertifizierung

Zurück zur Etablierung der Komplementärwährung ECO und der Zertifizierung unserer Emissionen. Da die Belastung der Atmosphäre mit Klimagasen ganz eng mit dem Verbrauch fossiler Primärenergiequellen verbunden ist, werden diese bezüglich ihres spezifischen Emissionsbeitrages bewertet und zertifiziert.

 

 

Klimabank:

Die Fördermengen werden entsprechend ihres zertifizierten Klimagasanteiles mit der Kohlenstoff-Ressourcenwährung ECO an die supranationale Klimabank abgeführt.

 

Persönliches Klimakonto:

Da jeder Weltbürger ein gleichrangiges Recht hat, die Ressource „Atmosphäre“ zu nutzen, indem er durch seinen persönlichen Konsum Klimagase emittiert, bekommt jeder volljährige Bürger zur Erfassung und Abrechnung seines Konsums ein persönliches Klimakonto bei der Klimabank, das monatlich in Form eines für jeden gleichen abgestimmten Betrages aufgeladen wird. Nur volljährige, private Endkunden (natürliche Personen) erhalten ein Klimakonto. Volljährigkeit ist deshalb Voraussetzung, um keinen falschen Anreiz zu schaffen, durch mehr Nachkommen zusätzliche Einnahmen zu erlangen.

 

ECO Verrechnungskonto (Industrie):

Die gewerblichen Betriebe erhalten ein ECO Verrechnungskonto, um fossile Energien, neben ihrem Preis in Geld, auch mit dem entsprechenden Betrag der Kohlenstoff-Ressourcenwährung bezahlen zu können. Alle an der Produktion, dem Transport und sonstigen beteiligten Teilinstanzen innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette, kalkulieren die verbrauchten ECO (analog zu Geld) für ihren Teilprozess und stellen diese jeweils der nachfolgenden Instanz in Rechnung.

 

- Die rohstofffördernde Industrie bezahlt an die Klimabank

- Fossile Energie verbrauchende Betriebe zahlen Klimawährung an die Rohstoffindustrie

- Alle an der Produktion, dem Transport und sonstigen beteiligten Teilinstanzen innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette, kalkulieren die

   verbrauchten ECO (analog zu Geld) für ihren Teilprozess und stellen diese jeweils der nachfolgenden Instanz in Rechnung.

 

Rationierung:

Um die Begrenztheit der ökologischen Ressourcen innerhalb unseres Wirtschaftssystems abzubilden, bedarf es dieser in sich geschlossenen komplementären Ressourcenwährung, die den mit unserem Konsum verbundenen Klimagasausstoß auf ein für die Ökosysteme verkraftbares Maß effektiv rationiert. Somit wird jedes fertige Produkt und jede Dienstleistung, neben dem kalkulierten Preis in Landeswährung, zusätzlich mit einem individuell verbundenen komplementären Preis in ECO ausgezeichnet.  Als letztes in der Kette bezahlt der private Endkunde diesen Preis in ECO, parallel zu dem Preis in herkömmlicher Landeswährung, während des Kaufs. Eine Besteuerung ist dafür nicht geeignet, da Steuern den Konsum lediglich verteuern aber nicht zuverlässig reduzieren.

 

Limitierung:

Die Fördermengen dieser fossilen Energiequellen unterliegen einer marktwirtschaftlichen Limitierung durch das geschlossene Kreislaufsystem der Ressourcenwährung, in dem nicht mehr ausgegeben (gefördert) werden darf, als mit der begrenzten Währung bezahlt werden kann. Innerhalb dieses Kreislaufes müssen die Kosten für die Förderung der fossilen Energieträger letztendlich durch die Bezahlung der Endkunden gedeckt sein. Die Ressourcenwährung zirkuliert in einem geschlossenen System zwischen der Klimabank, den Klimakonten der Verbraucher, über alle Wertschöpfungsinstanzen hinweg, bis hin zu der Gewinnung der fossilen Primärenergieträger.

 

Klimabörse:

Private Endkunden sind berechtigt, mit ihren ECO an der Klimabörse Handel zu treiben. Selbst nicht genutzte ECO können gegen Geld verkauft werden, bzw. zusätzlich benötigte ECO hinzugekauft werden.

 

Firmen dürfen im Gegensatz zu privaten Endkunden keinen klimabörslichen Handel treiben, um Verwerfungen durch nicht korrekte Bepreisung zum Zwecke der Bereicherung vorzubeugen. Dadurch wird der Industrie der Anreiz genommen, höhere ECO Beträge zu verrechnen, als tatsächlich verauslagt. Im Gegenteil: Mit dieser Sperre haben Firmen einen Anreiz, Rohstoffe und Produkte von Vorstufen für möglichst wenig ECO einzukaufen und ihre eigenen Prozesse energetisch zu optimieren, um dann auch selbst nur einen möglichst geringen ECO Betrag weiterreichen zu müssen und somit die eigenen Produkte attraktiver am Markt platzieren zu können.

 



Stufenweiser Ausbau der Zertifizierung

 

Anfangen könnte man im Falle einer schrittweisen Annäherung, sinnvollerweise mit der Zertifizierung und Abrechnung der emissionsintensivsten Produkte und Dienstleistungen, bzw. mit den zunächst am einfachsten zu zertifizierenden Sektoren, um einen schnellen Einstieg in den Prozess zu finden. Laut Bundesumweltministerium, ist die Energiewirtschaft zu gut einem Drittel an den gesamten CO2-Emissionen beteiligt. Der Verkehrssektor macht weitere 18 Prozent aus und rangiert knapp hinter der Industrie. Also wäre schon mal mit dem Energie- und Verkehrssektor, die Zertifizierung und Abrechnung gut der Hälfte der Emittenten sehr schnell und einfach umzusetzen.

 

Stufenweiser Ausbau der Zertifizierung:

 

Der persönliche monatliche ECO Auszahlungsbetrag richtet sich nach der aktuellen Ausbaustufe der Zertifizierungen, bzw. nach dem momentan erreichten Gesamtzertifizierungsgrad. Sind in Stufe 1 und 2, beispielsweise mit anteilig 30 Prozent der Gesamtemissionen, die Energieversorgung privater Haushalte und der Verkehr zertifiziert, wird im Verhältnis dazu auch nur ein anteilig äquivalenter Betrag in ECO zur freien Verwendung ausgezahlt. Der Endausbau ist erreicht, mit 100 Prozent Zertifizierung aller Klimagas emittierenden Sektoren und 100% Auszahlung an ECO, äquivalent des errechneten zulässigen Verbrauchskontingentes.  

 

Beispiel Energiekonzerne:

Energieversorgungsunternehmen in Form von Mineralölkonzernen, Strom- und Gasversorgern, wären klassische Durchreicher, der mit Ihren Produkten verbundenen CO Preise. Die handelsüblichen Einheiten für Kraftstoffe, Heizöl, Strom und Gas, würden entsprechend dem mit ihren Emissionen verbundenen Betrag in ECO zertifiziert und zusammen mit der üblichen Jahresverbrauchsabrechnung eingezogen und an die Weltklimabank abgeführt. Zahlen würde, so wie bei allen anderen Gewerben, ebenfalls nur der Endkunde. Auch wenn zwischen Energieversorger und Endverbraucher noch ein produzierendes Gewerbe in der Kette zwischengeschaltet ist, wird ähnlich wie beim Groß- und Einzelhandel, der CO Preis der kompletten Kette durchgereicht.

 

 

Beispiel Verkehrssektor:

Der Verkehrssektor, würde über die Spritrechnung an der Tankstelle abgehandelt. Genau wie bei den vorher beschriebenen Energieversorgungsunternehmen, würde die Bezahlung in ähnlicher Form stattfinden. Übrigens würde dies auch eine Kfz Steuer überflüssig machen und ersetzen. Denn das derzeitige Kfz Steuermodell, berücksichtigt in keinster Weise das Verursacherprinzip. Besteuert wird lediglich der Besitz eines Fahrzeuges einer bestimmten Schadstoffklasse, nicht das tatsächliche Emissionsvolumen. Durch die Beaufschlagung der Benzinrechnung mit der Komplementärwährung ECO, würde eine wirkungsvolle Limitierung des Schadstoffausstoßes umgesetzt und ein echter Anreiz zur Emissionseinsparung geschaffen.

 

  

Beispiel Fleischindustrie:

Die Fleischproduktion trägt bedeutend zur Freisetzung des besonders klimaschädlichen Methangases bei. Folglich sollte mittelfristig auch unser viel zu billiges Schnitzel mit einer entsprechenden Klimagebühr „aufgewertet“, und somit die damit verbundene Emission von Methangas eingepreist werden.

 

  

Beispiel produzierende Gewerbe:

Warenproduzierende Unternehmen, würden über den Groß- und Einzelhandel, die mit Ihren Erzeugnissen verbundene Klimagebühr an den Endkunden weiterreichen. Produzenten und Dienstleister sind lediglich Durchreicher, ähnlich wie es in Deutschland auch einmal mit der zu entrichtenden Praxisgebühr beim Besuch eines Arztes angewandt wurde. Oder auch wie bei unserem Umsatzsteuerrecht und dem Vorsteuerabzugsverfahren. Vorsteuer ist dabei die Umsatzsteuer, die ein Unternehmer auf den Rechnungen an seine Geschäftspartner ausweist. Die Umsatzsteuer ist auch hier nur ein durchlaufender Posten. Zwischenhändler können dort die Mehrwertsteuer eines Artikels, durch Ausweisen auf der Rechnung, auch einfach an den Einzelhandel durchreichen, ohne diese jeweils separat an das Finanzamt abführen zu müssen. Zur Zahlung der Umsatzsteuer verpflichtet ist auch hier letztendlich nur der Endverbraucher.

 

  

Beispiele gewerblicher Einzelhandel:

Jeder Gewerbetreibende muss seinem Zulieferer, neben dem geforderten Geldbetrag, von seinem Geschäftskonto den ausgewiesenen Betrag an ECO von seinem gewerblichen ECO-Verrechnungskonto bezahlen. Den für seine Aufwendungen kalkulierten Geldbetrag, inklusive des gewünschten Aufschlags an Gewinn, stellt er dem Endkunden genauso in Rechnung, wie auch den kalkulierten Betrag der Klimawährung ECO. Nehmen wir als Beispiel den Verkauf eines neuen Autos. Der Käufer hätte also dafür sagen wir 25.000 Euro plus 30.000 ECO (für die mit dem Material, der Produktion, dem Transport und dem Vertrieb verbundene Klimabelastung) zu entrichten.

 

 

 

Beispiel privater Handel:
Wie verhält es sich nun aber, wenn dieses Auto nach einer Weile der Nutzung privat weiterverkauft werden soll? Nun, analog zum Verkaufspreis in Euro, der ja auch individuell zwischen privatem Verkäufer und neuem Besitzer, nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage, ausgehandelt wird, kann auch eine Übertragung eines vereinbarten Betrages an ECO, vom Konto des Käufers auf das des Verkäufers, bei der Weltklimabank, stattfinden. Die Währung ECO kann, wie bereits Eingangs beschrieben, so wie Ware frei gehandelt werden. So wie die Zahlung eines Eurobetrages von Privat zu Privat, bezüglich der Höhe des Betrages auch keiner behördlichen Kontrolle unterliegt, ist diese auch hinsichtlich der zwischen den beiden privaten Parteien ausgehandelten Ausgleichsbetrages an ECO außen vor. Lediglich die Übertragung der an den privaten Verkäufer zu zahlenden ECO, also der Transfer des Betrages zwischen den beiden Konten, geschieht nicht peer to peer, sondern muss über die Weltklimabank passieren. Dies kann jedoch ähnlich unkompliziert erfolgen, wie eine gewöhnliche Banküberweisung oder die Überweisung auf ein PayPal Konto.

 

 

 

Beispielhaft einige Dienstleistungsgewerbe:

Grundsätzlich gilt: Aus Sicht der Energieversorger, ist ein Dienstleistungsunternehmen zu behandeln wie ein Privathaushalt. Nach dem Motto (nur) einer muss zahlen, wird dem Inhaber die mit seinem Gewerbe verbundenen Energiekosten (in Euro und ECO) berechnet. Dieser holt sich die ausgelegten Unkosten durch geeignete Kalkulation seiner Dienstleistungen, vom Endkunden zurück. Dabei kann es durchaus sein, dass ein Überschuss oder auch ein Verlust an ECO erwirtschaftet wird. So wie dies beim privaten Verkauf eines Artikels und dem zwischen den Handelspartnern frei ausgehandelten Preises in Euro und ECO auch der Fall ist.

 

 

Frisör

Das Frisörgewerbe eignet sich recht gut als Beispiel, wie man die Klimawährung ECO praktisch anwenden könnte. Da ein Frisörsalon sowohl Produkthandel betreibt, als auch Dienstleistungen anbietet, müssen hier beide Aspekte Berücksichtigung finden. Der einfachere Teil ist der Produkthandel. So wie bei dem Beispiel gewerblicher Einzelhandel, würde der Frisör mit einer Flasche Haarspray den verbundenen Betrag an ECO vom Kunden erheben und an seinen Lieferanten durchreichen.

 

Für die Dienstleistung Haarewaschen und Schneiden beispielsweise, würde der Inhaber, so wie oben beschrieben, wie ein privater Händler in Erscheinung treten. Der Salon würde die, mit seiner Leistung, verbundenen anteiligen Aufwendungen, z.B. für Energie- und Wasserverbrauch, Inbetriebhaltung der Geschäftsräume (Heizen und Strom) und dem Verbrauch der eingesetzten Pflegeprodukte einschätzen, und dafür eine Summe in ECO veranschlagen. Ähnlich, wie auch die, mit dem Arbeitsaufwand, verbundenen Lohn- Verbrauchs- und Inbetriebhaltungskosten in Euro kalkuliert und bepreist werden müssen, um kostendeckend zu wirtschaften.

 

 

 

Dass im Dienstleistungssektor, analog zum privaten Handel, die ECO Beträge selbst kalkuliert und bepreist werden dürfen, ist kein Widerspruch zur Wirksamkeit des Systems des individuellen Emissionshandels. Der Dienstleister tritt wie ein privater Händler in Erscheinung. In diesem Falle wird der Betrag in ECO für verbrauchte Energie, analog zum Preis in Euro, zunächst dem Dienstleister selbst, so wie einem Endverbraucher berechnet und abgebucht. Dieser legt die beiden komplementären Kosten (Euro und ECO), entsprechend seiner unabhängigen Kalkulation auf die erbrachte Dienstleistung, und somit auf den tatsächlichen Endverbraucher um. Die eingenommenen ECO verbleiben auf dem ECO Verrechnungskonto des Inhabers des Dienstleistungsunternehmens und gleichen dort die bereits ausgelegte Zahlung an die Versorgungsunternehmen aus.

 

 

 

 

Baugewerbe

Parallel zur üblichen Massenermittlung, bei der zur Angebotserstellung, bzw. zur Rechnungsstellung, alle aufgewendeten Materialien aufgeführt werden, wird analog dem vorherigen Beispiel „Frisörsalon“, durch Kalkulation, auch der Klimapreis der einzelnen, zu verarbeitenden Materialposten ausgewiesen und in Form eines ECO Betrages in Rechnung gestellt.

 

 

 

 

Flugbranche

Auch hier legt die Fluggesellschaft die Kosten für den Energiebedarf zunächst aus. Die anschließende Kalkulation und Bepreisung eines Flugtickets, könnte exemplarisch erfolgen, indem man den rechnerischen Kerosinverbrauch der gesamten Flugstrecke, durch die Anzahl der Passagiere dividiert. Um dem überdurchschnittlichen, energetisch unsinnigen Platzbedarf von Business- und First-Class Passagieren Rechnung zu tragen, sollte in den Berechnungsalgorithmus auch die gebuchte Sitzklasse einbezogen werden. Ähnlich könnte auch die Berechnung der Nutzfracht umgesetzt werden, wobei dort eben das Gewicht und das Volumen der zu transportierenden Güter in die Summe mit eingehen. Aber auch hier gilt, analog zu allen anderen Dienstleistungsunternehmen, die Kalkulation und Bepreisung der Leistungen obliegt alleine der unternehmerischen Freiheit, nach dem Selbstkostendeckungsprinzip. Da Firmen, im Gegensatz zu privaten Endkunden, keinen klimabörslichen Handel treiben dürfen, sind Verwerfungen durch nicht korrekte Bepreisung zum Zwecke der Bereicherung ausgeschlossen. Der Industrie ist der Anreiz genommen, höhere ECO Beträge zu verrechnen, als tatsächlich verauslagt. Ganz im Gegenteil: Firmen haben einen Anreiz, Rohstoffe und Produkte von Vorstufen für möglichst wenig ECO einzukaufen und ihre eigenen Prozesse energetisch zu optimieren, um dann auch selbst nur einen möglichst geringen ECO Betrag weiterreichen zu müssen und somit die eigenen Produkte attraktiver am Markt platzieren zu können. Die marktwirtschaftlichen Gesetze funktionieren auch mit der Kohlenstoff-Ressourcenwährung ECO. 

 



In allen hier beschriebenen Bereichen ist das vorrangige Ziel, dass das System in sich geschlossen bleibt. Es darf nicht mehr Klimagas Emission „verkauft“ werden, als die Gesamtsumme an Emissionen, auf die man sich geeinigt hat.

 

 

Nun könnten Sie sich fragen, was denn genau passieren wird, wenn z.B. am 1.1. des kommenden Jahres die neue Währung ECO eingeführt würde. Kann ich mir dann noch das tägliche Pendeln zum Arbeitsplatz leisten? Werde ich überhaupt noch einen Arbeitsplatz haben? Werden durch die umfangreichen Verwerfungen jede Menge Stellen wegfallen? Berechtigte Fragen. Sicher werden Arbeitsplätze innerhalb der Branchen, deren Produkte durch die Begrenzung der Emissionsmengen weniger nachgefragt werden, wegfallen. Dafür werden aber an anderer Stelle innerhalb der Gesamtwirtschaft neue geschaffen werden. Es wird eine Verlagerung stattfinden in Richtung innovativer, grüner Industriezweige. Denn für den Umbruch in ein nachhaltiges Zeitalter werden reichlich Spezialisten benötigt, um die neuen Technologien umzusetzen. Wenn wir also heute die Weichen sinnvoll stellen und genügend Fachkräfte für diese neuen klimaschonenden Wirtschaftszweige qualifizieren, können wir nicht nur die Stellenverluste der obsoleten Branchen wettmachen, sondern sogar von einer win-win Situation profitieren: Der Klimawandel wird aufgehalten, es treten weniger in naher Zukunft teuer zu reparierende Umweltschäden auf und es entstehen neue Stellen in zunehmend nachhaltigen Branchen.

 

 

 

Denn kluger Klimaschutz schafft Wirtschaftswachstum. Ökologie und Ökonomie können durchaus zusammengehen. Wenn wir also nun eine Bildungsoffensive anstoßen und schnell innovative Strategien vorantreiben, kann selbst die viel kritisierte Autoindustrie gestärkt und in grünem Gewand aus einem solchen Umbruch hervorgehen. Die Klimawende nimmt zwar auf der einen Seite Jobs, schafft aber zeitgleich an anderer Stelle neue.

 

 

Was das Berufspendeln anbelangt, wird es sicher lohnender werden, einen zwar schlechter bezahlten Arbeitsplatz, dafür aber in der Nähe zum Wohnort anzunehmen. Auch werden die Mieten in Ballungsgebieten steigen, weil viele näher zu ihrem Arbeitsplatz ziehen möchten um Treibstoffemissionen einzusparen und ihr ECO Budget zu schonen, denn genau dies ist das erwünschte Ziel des neuen Währungssystems. Aber auch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel wird interessanter werden. Oder auch der Umstieg auf E-Mobilität evtl., in Verbindung mit dezentral selbsterzeugtem Strom, vom eigenen Solardach. Denn die Rettung unseres Klimas wird nicht zum Nulltarif, und schon gar nicht nach dem Motto „Weiter so!“ möglich sein. Die Dinge bekämen endlich ihren angemessenen (Klima) Preis.

 

 

Klingt aufwendig, ist es sicher auch. Aber schließlich war es vor geraumer Zeit auch einmal möglich, beispielsweise alle Kraftfahrzeuge schrittweise TÜV und ASU zertifizieren zu lassen, und ein funktionierendes Überwachungssystem, in Form eines Zusammenspiels zwischen den einzelnen Prüforganisationen und den Zulassungsstellen, zu etablieren. Schon bald darauf gab es kein einziges Auto mehr auf Deutschlands Straßen, das keinen TÜV Stempel hatte. Auch die Einführung der fragwürdigen Umweltplakette war sicher kein einfaches organisatorisches Unterfangen, wurde aber dennoch umgesetzt – weil man es wollte. Oder denken Sie an die Einführung diverser, mittlerweile selbstverständlicher Prüfzeichen, die benötigt werden, wenn ein neues Produkt am Markt verkauft werden soll. Handelt es sich um ein technisches Gerät, komme ich um ein GS-Zertifikat kaum herum. Bei einem elektrischen Gerät, ist ein VDE-Prüfzeichen unabdingbar. Auch können Sie heute keine Wohnung mehr offiziell vermieten, ohne dass die Immobilie einen von unabhängigen Instituten erstellten Energiepass vorweisen kann. Alles sicherlich sehr aufwendige Maßnahmen mit dem Ziel, uns vor den vielfältigsten Gefahren zu schützen. Um wieviel dringlicher ist es jedoch, uns jetzt effektiv vor den Gefahren des rasch fortschreitenden Klimawandels zu schützen. Am Rande bemerkt, den Weltklimawandel, mit all seinen katastrophalen Auswirkungen zu managen, wird im Vergleich dazu exorbitant aufwendiger sein!

 

 

Konsum und das tägliche Leben kann aber auch wieder ressourcengünstiger werden. Wenn sich durch den ECO unser Kaufverhalten verändern wird und die Industrie auf ressourcenschonendere Produktion umstellt oder wenn der Staat beispielsweise entsprechende Gesetze für grünere Energiegewinnung und Produktionsverfahren erlässt und sich diese allmählich etablieren. Oder wenn mit Hilfe von Steuergeldern Kompensationsmaßnahmen gefördert werden, dann würden die Produkte allmählich emissionsärmer herzustellen sein und somit für den Endverbraucher auch wieder günstiger zu erwerben. Ohne den Druck des Verknappens und des Rationierens unserer derzeitigen Emissionsgewohnheiten, wird es allerdings nicht funktionieren.